Grundsatzprogramm
Das Grundsatzprogramm der Jungen Liberalen Bayern wurde auf dem 10. Landeskongress 1985 in Regensburg beschlossen.
Es wurde mit dem Ziel erstellt, eine einheitliche programmatische Grundlage als gemeinsamen Nenner der realpolitischen Arbeit zu schaffen und dient bis heute als Leitlinie der Programmatik der Jungen Liberalen Bayern.
Es gliedert sich in die Kapitel Grundwerte, Freiheit und Verantwortung, Gleichheit und Vielfalt, Vernunft und Fortschritt, Offenheit und Toleranz und Solidarität. Zentrales Element aller Kapitel ist das Bestreben, eine Definition der Freiheit, des Liberalismus und einer Liberale Liberalen Bürgergesellschaft aus dem Selbstverständnis der Jungen Liberalen heraus zu finden. Grundlage für diese Begriffsdefinitionen ist dabei ein "ganzheitlicher Liberalismus", der eine universelle liberale Werteorientierung unter Berufung auf liberale Traditionen und die Zeitalter der Aufklärung voraussetzt und eine Beschränkung auf ein Politikgebiet wie die Wirtschaftspolitik bewusst ausschließt.
In diesem Ziel entspricht die Grundrichtung der JuLis Bayern dem Grundsatzprogramm des Bundesverbandes "Humanistischer Liberalismus", das allerdings erst 9 Jahre später beschlossen wurde, im Bayerischen Grundsatzprogramm werden allerdings die liberalen Traditionen besonders betont. So werden Liberale wie Karl-Hermann Flach oder der Philosoph Immanuel Kant mit seinem, zum Leitsatz der Aufklärung gewordenen, Ausspruch zitiert: "Liberale dürfen nicht länger Vorkämpfer einer Aufklärungsein, die längst umgeschlagen ist gegen ihr ureigenes Anliegen: 'den Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit' (Immanuel Kant) in eine selbstverantwortete Freiheit."Die Betonung klassisch liberaler Traditionen kann möglicherweise auch als Versuch einer entschiedenen Abgrenzung gegenüber den Vorgängern der Jungen Liberalen als Jugendorganisation der FDP, den Jungdemokraten, gewertet werden, die sich von liberalen Positionen weggehend einer zunächst stark linksliberalen, dann zunehmend ins linke Spektrum driftenden Weltanschauung verschieben hatten und sich später der Partei Die Grünen erfolglos versuchten anzuschließen.
In ihrer Anfangsphase nach 1980 mussten die Jungen Liberalen bei der FDP auch gegen den Widerstand einflussreicher Parteimitglieder und früherer Jungdemokraten um ihre Anerkennung als Jugendorganisation kämpfen.Im scheinbaren Widerspruch zu dieser Berufung auf liberale Traditionen, steht der formulierte Anspruch, "...überkommene, auf Tradition und Autorität beruhende Anschauungen und Werte müssen kritisch überprüft werden." Ein Grundsatz, der immer wieder Leitlinie für den kritischen Nonkonformismus der Jungen Liberalen Bayern in späteren Phasen war und im Laufe der Zeitvereinzelt zu Meinungsdifferenzen mit konservativeren Strömungen der Mutterpartei FDP führen sollte.
Die Feststellung "Liberales Gedankengut ist kein starres und in sich geschlossenes Dogma, das ein System von Wertungen anbietet und vorgibt, auf jede Frage die richtige Antwort geben zu können" bereits im ersten Abschnitt bekräftigt diese Orientierung und legt den Grundstein für die Bereitschaft der Jungen Liberalen Bayern, im Kontrast zu konservativ geprägten Ideologien, im Zweifel Traditionen zu brechen, sofern sich diese aus ihrer Sicht als überholt erwiesen haben sollten. Gleichzeitig stellt diese Einstellung den Liberalismus nicht als dogmatisch, axiomatisch begründete Ideologie mit einem daraus folgerbaren Alleingültigkeitsanspruch dar. Sie geht stattdessenin epistemischer Tradition von der impliziten Beschränktheit menschlichen Wissens und Könnens aus, um daraus eine grundlegend tolerante Offenheit im Vertrauen auf die menschliche Klugheit abzuleiten. Dementsprechend auch die Definition im Kapitel Grundwerte: "Nach dem Menschenbild, an dem sich die Jungen Liberalen orientieren, sind alle Menschen verschiedenartig, gleichwertig und "unvollkommen"."
Kurzfassung:
Nach dem Menschenbild, an dem sich die Jungen Liberalen orientieren, sind alle Menschen verschiedenartig, gleichwertig und unvollkommen. Freiheit als Maxime individueller Entscheidungsmöglichkeit ist für uns Ausgangspunkt liberalen Denkens. Dennoch hat jeder Mensch den gleichen Anspruch an Freiheit, weshalb Freiheit im direkten Zusammenhang mit anderen zentralen Begriffen wie Gleichheit, Offenheit, Toleranz, Solidarität und Vernunft steht und vor allem auch mit dem Begriff der Verantwortung. Jeder Mensch muss sich in der Freiheit seiner Taten seiner Verantwortung gegenüber sich selbst und auch gegenüber anderen im Klaren sein.
Daraus ergibt sich, dass auch ein Jeder für sein eigenes Lebensglück verantwortlich ist. Nur für diejenigen die sich nicht selbst helfen können, ist die Gemeinschaft da. Aber nie bevormundend oder überfürsorglich, sondern fördernd und fordernd zugleich. Somit ist Solidarität ist für uns ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden, liberalen Gesellschaft, wobei sich Solidarität in diesem Sinne nicht etwa durch den Anspruch eines Kollektivs an den Einzelnen, sondern durch den des Einzelnen an die Gemeinschaft versteht. Hierbei gilt es, dass Menschen füreinander einstehen und sich gegenseitig verpflichtet fühlen.
Jeder Mensch ist gleichwertig, aber niemand ist gleich. Hieraus resultiert für uns eine unbedingte Vielfalt innerhalb der Gesellschaft in der niemand wegen seines Geschlechts, seiner Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauung begünstigt oder benachteiligt werden darf.
Liberale Politik begründet sich des Weiteren durch Rationalität. Entscheidungen müssen nachvollziehbar, transparent und sinnvoll sein. Daher ergibt sich für uns der Anspruch, dass Überkommene, auf Tradition und Autorität beruhende Anschauungen und Werte kritisch überprüft werden müssen. Hierdurch entsteht ein Wettstreit zwischen neuen Ideen, wodurch Fortschritt gelingt. Dabei darf der Liberalismus nie statisch, sondern immer nur dynamisch begriffen werden.
Geistige Freiheit und Achtung auch dem Andersdenkenden gegenüber zählen zu den Grundlagen einer liberalen Gesellschaft. Der Liberalismus erkennt keine absoluten Wahrheiten und endgültigen Entscheidungen an, weshalb eine Gesellschaft immer offen und tolerant gegenüber jeder Meinung sein muss.