Das aktuelle Stipendiensystem in Deutschland bietet vielen Studierenden wertvolle Unterstützung, ist jedoch in vielerlei Hinsicht unflexibel und nicht ausreichend zugänglich. Besonders die Kombination mit dem BAföG, starre Mindeststudienzeiten und mangelnde Informationsvermittlung führen dazu, dass zahlreiche Studierende trotz potenzieller Förderwürdigkeit keine Unterstützung erhalten. Die Jungen Liberalen Bayern fordern daher umfassende Reformen, um das Stipendiensystem flexibler, gerechter und besser zugänglich zu machen.
Flexiblere Studienzeiten für Stipendiaten
Die Mindest-Reststudienzeit für Master-Studierende soll auf maximal ein Jahr gesenkt werden. Für Bachelor-Studierende soll die Mindest-Reststudienzeit auf zwei Jahre festgelegt werden. Der Bewerbungsschluss für Stipendien darf maximal vier Monate vor Studienbeginn liegen, um eine bessere Planbarkeit zu ermöglichen.
Stipendien sollen nicht mehr ausschließlich Vollzeit-Studiengänge fördern. Eine Verlängerung oder Unterbrechung des Stipendiums soll auf maximal zwei Semester begrenzt werden und soll analog zum Flexibilitätssemester im BAföG umgesetzt werden.
Bessere Kombinierbarkeit von Stipendien mit BAföG
Um eine bessere Kombinierbarkeit von Stipendien mit dem BAföG zu gewährleisten, soll die Anrechnungsfreigrenze für Stipendien im BAföG über die derzeitigen 300 Euro hinaus erhöht werden. Der Bezug eines Stipendiums darf nicht mehr automatisch zum Ausschluss aus der BAföG-Förderung führen. Dies würde insbesondere einkommensschwachen Familien helfen, die sich bisher zwischen einer staatlichen Förderung oder einem Stipendium entscheiden mussten.
Insbesondere fordern wir, die Hinzuverdienstgrenzen für Nebenjobs deutlich zu erhöhen.
Zudem soll die Regelung abgeschafft werden, dass BAföG vollständig entfällt, wenn ein Studierender ein Vollstipendium eines Begabtenförderungswerks erhält. Die USA zeigen, dass eine Kombination staatlicher und privater Fördermittel sinnvoll sein kann, indem staatliche Zuschüsse wie die Pell Grants zusätzlich zu Stipendien vergeben werden.
Erasmus+-Stipendien sollen nicht zur Reduzierung anderer nationaler Stipendien oder BAföG-Förderungen führen. Stattdessen soll eine kombinierte Förderung ermöglicht werden, um Studierenden mehr finanzielle Sicherheit während eines Auslandsaufenthalts zu bieten.
Zusätzlich soll die Grenze für den Bezug von elternunabhängigem BAföG gestrichen werden, um Studierenden früher finanzielle Eigenständigkeit zu ermöglichen. Langfristig soll ein elternunabhängiges BAföG für Studierende etabliert werden.
Pausen und flexible Phasen im BAföG-System
Pausen und flexible Phasen im BAföG-System müssen erleichtert werden. Zusätzliche Flexibilitätssemester sollen eingeführt und Urlaubssemester für Praktika, Krankheit oder die Pflege von Angehörigen dürfen nicht mehr automatisch zum sofortigen Wegfall der BAföG-Förderung führen. Auch die Altersgrenze im BAföG muss flexibilisiert oder ganz abgeschafft werden, um Bildungswege individueller gestalten zu können. Darüber hinaus sollen Wohngeld und andere Sozialleistungen für alle Studierende, auch für BAföG-Empfänger, möglich sein.
Bessere Informationsvermittlung über Stipendien
Die Informationsvermittlung über Stipendien muss erheblich verbessert werden. Agenturen für Arbeit und Jobcenter sollen aktiv über Stipendien informieren, um auch Familien ohne akademischen Hintergrund zu erreichen. Zudem sollen Jobcenter nicht nur Aufklärungsarbeit leisten, sondern auch aktiv zu Stipendien beraten oder Ratsuchende an die entsprechenden Stellen verweisen.
Schulen und Hochschulen müssen verpflichtet werden, Studierende systematisch über Stipendienprogramme aufzuklären. Weniger als ein Drittel der Bewerberinnen und Bewerber bei Begabtenförderungswerken stammt aus nicht-akademischem Elternhaus, was auf eine unzureichende Information über Fördermöglichkeiten hinweisen könnte. Lehrer sollen verstärkt darüber aufgeklärt werden, dass sie Schüler aktiv für Stipendien vorschlagen können. Zusätzlich soll eine verpflichtende Informationseinheit für Studienanfänger eingeführt werden, um bereits zu Beginn des Studiums über Finanzierungsmöglichkeiten aufzuklären. Schulen sollen zudem bereits im letzten Schuljahr systematisch Eltern und Schüler über Stipendien informieren, um frühzeitig die Möglichkeiten der Studienfinanzierung aufzuzeigen.
Auch Verbraucherzentralen sollen aktiv über Stipendien aufklären und entsprechende Beratungen anbieten. Darüber hinaus sollen Banken Studierende beim Abschluss eines Studi-Kontos über Stipendien informieren und entsprechende Materialien bereitstellen.
Lösungen für Studierende, die zwischen den Fördersystemen feststecken
Für Studierende, die zwischen den Fördersystemen feststecken, sind gezielte Lösungen erforderlich. Die BAföG-Einkommensgrenzen und -Fördersätze müssen angepasst werden, sodass mehr Studierende gefördert werden. Die Regelungen für elternunabhängiges BAföG sollen vereinfacht werden, um Studierenden schneller finanzielle Unabhängigkeit zu ermöglichen.
Kurzstipendien für Auslandsaufenthalte und Weiterbildung
Auch Kurzstipendien für Auslandsaufenthalte und Weiterbildung müssen eingerichtet werden. Kurzstipendien für Auslandssemester oder -praktika von ein bis drei Monaten sollen gefördert werden. Ebenso müssen studiennahe Weiterbildungen, Sprachkurse oder Konferenzen finanziell unterstützt werden. Die Antragstellung für Kurzstipendien soll dabei unbürokratisch erfolgen, mit einer schnellen Auszahlung.
Der Beschluss ist auf 5 Jahre begrenzt.
Antragsteller: JuLis München
Gültigkeit: 5 Jahre